Nicht nur im Krisenfall!

Externe Compliance-Kommunikation als Erfolgsfaktor

Compliance-Programme gelten in der Regel als innere Angelegenheit der Unternehmen. Einmischung von außen nicht erwünscht! Geht es doch scheinbar darum, gerade bei externen Stakeholdern den Eindruck zu vermeiden, das Unternehmen habe ein Compliance-Issue und sei daher gezwungen, ein entsprechendes Programm aufzulegen. Für die externe Kommunikation ist Compliance mit der Ausnahme von Geschäftsberichten daher meist nur dann ein Thema, wenn ein Issue bereits zur Krise geworden ist. Reaktion statt Agenda Setting lautet die Devise. Dabei lässt sich das Thema Compliance auch positiv im Sinne des Unternehmens nutzen. Es tun sich zwei Handlungsfelder für die externe Kommunikation auf.

Erstens: Compliance auch als Chance für das Reputation Management nutzen

Gerne wird auf ein Compliance-Programm verwiesen, wenn Medienanfragen zu einem konkreten Verdacht eingehen und die Frage beantwortet werden muss, wie das Unternehmen ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden gedenkt. Dabei bieten die Compliance-Aktivitäten im Unternehmen schon im Vorfeld ein erhebliches Potenzial für Reputation Management. Kunden und Geschäftspartner, Bewerber und NGOs, Medien und Politik legen heute größten Wert auf eine rechtlich und ethisch einwandfreie Unternehmensführung. So verstanden ist Compliance mitnichten ein Krisenindikator, sondern vielmehr ein Asset für die Unternehmensreputation, das sorgsam vermarktet werden muss: etwa durch Vorträge bei relevanten Foren, durch Debattenbeiträge bei Podiumsdiskussionen oder im Web, und nicht zuletzt durch Interviews und Namensbeiträge in meinungsbildenden Medien oder Fachpublikationen. Diese Kommunikation dient nicht nur dem Dialog mit wichtigen Stakeholdern, sondern generiert auch wertvollen Goodwill, von dem ein Unternehmen in einer Krise, etwa bei Compliance-Verstößen, profitiert.

Zweitens: Krisen- und Litigation-Kommunikation bei Compliance-Verstößen

Gegen die kriminelle Energie Einzelner ist kein Kraut gewachsen. Compliance-Systeme können das Risiko von Verstößen zwar verringern, sie aber nicht völlig verhindern. Aus diesem Grund sollten Unternehmen diesen Fall einkalkulieren und ihre Kommunikation gezielt darauf vorbereiten. Es gilt, entsprechende Risikoszenarien zu antizipieren, Sprachregelungen und Kommunikationspläne zu entwickeln, Arbeitsprozesse zu definieren, in die Organisation auszurollen und in Simulationen zu testen. Nur durch solche Präventionsmaßnahmen verhindern Unternehmen, dass sie im Krisenfall zu Getriebenen der Ereignisse werden, statt im Driver´s Seat zu sitzen, ihre Deutungshoheit zu bewahren und Zeit für die operative Krisenbewältigung zu gewinnen.

Compliance-Verstöße werden nicht selten juristisch aufgearbeitet. Im Worst Case müssen sich das Unternehmen und die verantwortlichen Manager vor Gericht verantworten. Und jeder neue Verhandlungstag bietet den Medien die Gelegenheit, ihre Geschichten fortzuschreiben. Unternehmen dürfen die Interpretation des Verlaufs der Verhandlung keineswegs dem Gericht, der Staatsanwaltschaft oder der Gegenseite überlassen. Hier geht es darum, die Interpretationshoheit zu bewahren und die eigene juristische Strategie kommunikativ abzusichern. Dies gilt auch für den Fall, dass ein Einzelner und nicht das Unternehmen den Verstoß begangen haben. Denn früher oder später wird die – mediale – Öffentlichkeit die Frage stellen, welche Vorkehrungen das Management gegen mögliche Compliance-Verstöße getroffen hat und ob diese angemessen waren.

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