Die Kluft zwischen Wirtschaft und Politik

Die Finanzmarktkrise bleibt auf der Agenda der Herausforderungen ganz oben und ist das beherrschende Thema. Für mehr als die Hälfte der befragten Meinungsführer (54 Prozent) in der Entscheider-Studie von Deekeling Arndt Advisors ist es das drängendste Problem. Darin sind sich auch Wirtschaft und Politik einig. Völlig unterschiedlich schätzen Wirtschaft und Politik dagegen die Bedeutung der Energieversorgung ein. Für 46 Prozent der Wirtschaftsvertreter zählt die Energiewende zu den wichtigsten Herausforderungen, dagegen aber nur für 25 Prozent der politischen Meinungsführer. Gravierend anders sehen Wirtschaft und Politik auch die Bedeutung der Themen Arbeitslohn und Arbeitslosigkeit.

Die Kluft und Diskrepanz zwischen Wirtschaft und Politik spiegeln gerade die verschiedenen Bewertungen der Energiewende wider. Die Politik hat mit den Beschlüssen zur Energiewende das Thema offensichtlich weitgehend für sich abgehakt. Die Wirtschaft spürt die Konsequenzen. In dem hohen Stellenwert der Energieversorgung für die Unternehmen entlädt sich offenbar auch die Unzufriedenheit der Wirtschaft mit der Umsetzung der Energiewende.

Überrascht hat zudem die Bewertung der Themen Bildung, Umweltschutz und demographischer Wandel. Standen alle Themen noch vor rund fünf Jahren ganz oben auf der Prioritätenliste und sorgten für zahlreiche kontroverse Debatten, rutschen sie heute in den Hintergrund und landen eher am unteren Ende der Skala. Umweltschutz und Nachhaltigkeit haben die befragten Meinungsführer sogar auf den vorletzten Platz gewählt.

Insgesamt wird deutlich: Die Meinungsführer differenzieren offenbar präzise zwischen kurzfristig anstehenden Herausforderungen und mittel- bzw. langfristig anstehenden Themen. Über die Hälfte sieht die Notwendigkeit zu Veränderungen an der Wirtschaftsordnung. Der größte Teil der Befragten ist aber pessimistisch: 75 Prozent glauben nicht, dass es zu grundlegenden Reformen im Wirtschaftssystem kommt.

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