In Josef Ackermanns Fußstapfen

Deutschland sucht den Wortführer: Mit der Hauptversammlung am 31. Mai 2012 endete nicht nur Josef Ackermanns Amtszeit als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Mit dem Schweizer tritt auch Deutschlands profilierteste Managerpersönlichkeit von der öffentlichen Bühne ab. Zumindest nennen ihn – offen gefragt – spontan mit 12 Prozent die meisten Befragten in der DAA-Entscheider-Studie als den exponiertesten Wirtschaftsvertreter, der sich an gesellschaftlichen Debatten beteiligt. Und mit Abstand liegt er auch vorne, wenn es – gestützt gefragt – darum geht, welcher Unternehmensführer das größte Potenzial bei gesellschaftlichen Debatten hat.

In der spontanen und offenen Abfrage nach Wortführern zu gesellschaftlich relevanten Themen folgt auf Ackermann der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Auf Platz drei rangiert Trigema-Chef Wolfgang Grupp, der offensichtlich durch Talkshow-Präsenz und werbliche Bekenntnisse zum Standort Deutschland von sich reden gemacht hat.

Während gerade einmal jeder zehnte Befragte konkrete Persönlichkeiten benennen kann, verblüfft ein Ergebnis besonders: Der eigentliche Spitzenreiter ist „Mister X“. Eine relative Mehrheit von 32 Prozent der befragten Meinungsführer kann spontan keinen Unternehmenschef nennen, der sich an gesellschaftlichen Debatten beteiligt – und das, obwohl auch die Vertreter aus der Wirtschaft die Unternehmen und ihre Lenker in besonderer Weise gefordert sehen, Debatten bzw. Veränderungen anzustoßen.

Über 60 Prozent finden, dass es nicht genügend Unternehmensführer gibt, die sich an gesellschaftlichen Debatten beteiligen. Das Vakuum ist umso erstaunlicher, als eine breite Mehrheit die Unternehmen in der Pflicht sieht. Fast 70 Prozent aller Befragten und 66 Prozent der Wirtschaftsvertreter teilen die Ansicht, dass Unternehmen eine größere Verantwortung in der Gesellschaft haben als andere Gruppen.

Besonders selbstkritisch gehen die Wirtschaftvertreter mit der Frage um, wer für den öffentlich vielfach zitierten Vertrauensverlust der Manager verantwortlich ist: Fast zwei Drittel von ihnen meinen, dass die Vorstände von Großkonzernen an ihrem schlechten Image selbst schuld sind und das Vertrauen selbst verspielt haben. Das sehen sogar 79 Prozent aller Befragten so.