Drei Fragen an ...

... Birgit Ziesche, Leiterin Interne Kommunikation bei Henkel

Hat die klassische Change-Kaskade in Ihren Augen ausgedient?

Ein Unternehmen kann noch so gute Botschaften haben: Um zu wirken, müssen diese bei ihren Empfängern ankommen. Und das kann über viele verschiedene Wege funktionieren, auch über eine gut organisierte Kaskade. Ich glaube nach wie vor, dass – abhängig vom Thema – durch eine Kaskade Inhalte konsistent und effizient in eine Organisation kommuniziert werden können. 2012 haben wir bei Henkel in der Strategiekommunikation sehr gute Erfahrungen mit einer global angelegten Kaskade gemacht: Es ging hierbei um die Vermittlung von klaren, einheitlichen Botschaften, die in kurzer Zeit in vielen Ländern und Sprachen möglichst vielen Mitarbeitern nahe gebracht werden sollten. Vorstände und Top-Management haben persönlich in zahlreichen Meetings nicht nur die neue Strategie präsentiert, sondern auch Fragen beantwortet und die Veränderungen in den Geschäftsbereichen erklärt. Das hat sich dann auf regionaler und lokaler Ebene fortgesetzt.

Heißt das, dass die Kaskade auch in Zukunft Mittel der Wahl bleibt, um Veränderungen bei Henkel zu kommunizieren?

Das hängt, wie gesagt, ganz vom Thema ab. Es kann durchaus sein, dass eine Kaskade sinnvoll ist. Aber die Welt verändert sich. Heute ist Kommunikation schnell, interaktiv, offen und dialogorientiert. Deshalb beschäftigen wir uns intensiv damit, wie wir Inhalte zukünftig stärker über digitale und vernetzte Kommunikation transportieren können. Die Chancen von mehr hierarchieübergreifender Kommunikation in Netzwerken überwiegen bei Weitem die Risiken: Es geht um schnellere Entscheidungen oder Problemlösungen, um effizienten Expertenaustausch, um stärkere Einbindung in Veränderungsprozesse oder die Verknüpfung von bisher eher isoliertem Wissen.

Wo setzen Sie an, um vernetzte Kommunikation in Ihrem Unternehmen zu fördern? Welche Rolle spielt dabei die Unternehmenskultur?

Digitales, vernetztes Arbeiten ist und bleibt eine wichtige Voraussetzung für Schnelligkeit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Aber bei aller Industrialisierung 4.0: Auch in Zukunft brauchen Mitarbeiter einen strategischen Rahmen, gemeinsame Werte und ein einheitliches Verständnis von den großen Entwicklungen. Nur so können sie Botschaften richtig einordnen und Teil der Veränderung werden. Diesen Rahmen muss die Unternehmenskultur bieten. Hierarchien werden nicht komplett aufgehoben, sondern sinnvoll ergänzt. Führungskräfte tragen hier eine entscheidende Verantwortung. Ihre Rolle in kommunikativen Netzwerken und im Unternehmen wird sich zwar verändern, aber sie werden nach wie vor zentrale Führungsaufgaben haben. Mitarbeiter zu befähigen und zu engagieren, sich stärker zu vernetzen, Führungskräfte bei ihrem Rollenwechsel zu unterstützen und diesen Prozess zu begleiten – hierin sehe ich zentrale Aufgaben der internen Kommunikation.