Relevanz ist gefragt

Interview mit Dr. Marius Schneider, Geschäftsführender Redakteur, Chefredaktion WeltN24

 

1. Die Medienlandschaft hat sich radikal verändert, Kommunikation wird immer schneller, komplexer und dialogischer. Wie erleben Sie als Journalist den Wandel und welche Auswirkungen hat das auf die Organisation von Redaktionen (auf die Anforderungen an Einzelpersonen)?

Schneller sein? Das alleine reicht schon lange nicht mehr, wenn man im Kommunikationsgewitter der neuen Medien gehört werden will. Das Schlüsselwort heißt: Relevanz! Wenn eine Geschichte Relevanz entfalten soll, muss sie journalistisch besser sein als das oft schrille Grundrauschen des Netzes. Für Journalisten und andere Profis der Kommunikationsbranche heißt das: Geschichten entfalten dann Relevanz, wenn sie besser recherchiert, authentischer, anspruchsvoller sind als der Rest. Wenn sie uns persönlich betreffen. Das ist eine Aufgabe für Fachleute. Und nur durch diese Relevanz grenzen wir uns vom allgemeinen Gezwitscher ab, ohne es links liegen zu lassen.

 

2. Wenn Sie auf die andere Schreibtischseite schauen: Sind Unternehmen und Verbände in ihrer Kommunikation auf die neuen Anforderungen eingestellt?

Die Kommunikationspartner von Unternehmen und Verbänden sind heute selbst über soziale Netzwerke Teilnehmer am Kommunikationsprozess. Ihnen eine einfache Botschaft vorzusetzen, ist viel zu wenig. Wer etwas zu sagen hat, und mag es noch so wichtig sein, muss sich immer auch fragen: Was interessiert den Empfänger auf der andern Seite wirklich? Was beschäftigt ihn? In welcher Situation ist er? Das zu verstehen, ist für Unternehmen und Kommunikatoren heute noch wichtiger als bisher.

 

3. Stellen Sie sich vor, Sie würden in die Unternehmenskommunikation wechseln: Was würden Sie als Erstes verändern wollen?

Mehr in Geschichten denken – weniger auf Produkte starren. Wir alle leben von und in Geschichten. Der Konsument sieht sich selbst nicht als Verbraucher: Er sieht sich und seine Umwelt als Teil seines persönlichen Films. Und in diesem Film muss das Unternehmen bzw. das Produkt eine Rolle spielen.

Ein wichtiger Punkt ist Authentizität. PR-Botschaften nur um der PR willen werden heutzutage viel schneller durchschaut als noch vor einigen Jahren. Wir sollten also auch in der PR und der Kommunikation lernen, unsere guten Geschichten mit echten Menschen zu erzählen.