Babyboomer geben heute den Takt an

Die Generation der Babyboomer – das sind in Deutschland die Jahrgänge 1955 bis 1969 – bestimmen heute die Geschicke des Landes: Sie treffen Entscheidungen im Deutschen Bundestag – hier liegt der Altersdurchschnitt bei 49,6 Jahren –, besetzen Vorstands- und Aufsichtsratsposten der DAX-Konzerne – das Durchschnittsalter in der Vorstandsriege liegt bei 53 Jahren – und stoßen gesellschaftliche Debatten an.

Diese Tatsache allein ist nicht überraschend, schließlich sind die Babyboomer eine große Gruppe: Mit rund 20 Millionen machen sie ein Viertel der deutschen Bevölkerung aus. Zudem wächst mit dem Alter auch die Berufserfahrung und damit im besten Fall auch die Kompetenz.

Anlass zur Sorge gibt jedoch, dass es ebenso die Babyboomer sind, die in Scharen gegen Bahnhöfe, Stromtrassen, Flugzeuglandebahnen und Windräder demonstrieren – und damit gegen wichtige Zukunftsprojekte des Landes. Denn der typische "Wutbürger" ist meist über 45 Jahre alt, Akademiker und gut situiert. Damit stellt sich die Frage, wie zukunftsfähig unsere Gesellschaft ist.

Junge Generation kommt wenig zu Wort

Vor allem im Kontext der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise ist häufig die Rede von der "verlorenen Generation". In Südeuropa ist die Jugendarbeitslosigkeit hoch, es gibt kaum berufliche Perspektiven. Die Jüngeren müssen die Fehler der Alten ausbaden, kommen selbst aber wenig zu Wort, auch weil der für den Wahlausgang entscheidende Medianwähler älter ist. In Deutschland ist die wirtschaftliche Situation nicht vergleichbar, doch auch hier wird die Politik stark von den Älteren dominiert, man denke nur an die Rente mit 63 oder die Mütterrente.

Warum der Fokus auf die junge Generation gut tut

Im Jahr 2031 geht der geburtenstärkste Jahrgang der Geschichte der Bundesrepublik – die Babyboomer, die im Jahr 1964 das Licht der Welt erblickt haben – in den Ruhestand. Im Jahr 2031 sind diejenigen in die Führungspositionen aufgerückt, die heute am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen: die Generation der heute um die 30-Jährigen.

Es ist nicht nur eine ethische Maxime, heute getroffene Entscheidungen immer auch an kommenden Generationen auszurichten und diese nicht über Gebühr zu belasten. Es ist auch Basis betriebswirtschaftlichen Handelns, die Kunden von morgen und deren Bedürfnisse zu kennen und Angebote auf deren Bedürfnisse zuzuschneiden.

Studie "Standort Zukunft" setzt breiten Dialog in Gang

Unternehmen tun gut daran, sich auch als Teil der Gesellschaft zu verstehen und Fragen nach den künftigen Standortbedingungen im Dialog mit der Politik auch aus der Perspektive unterschiedlicher Generationen zu diskutieren – und auch denen eine Plattform zu bieten, die im gesellschaftlichen Diskurs weniger vertreten sind, obwohl ihnen die Zukunft gehört. Und: Die Einstellungen, Erwartungen und Wertevorstellungen jüngerer Generationen sind nicht zuletzt relevant, um das eigene unternehmerische Handeln zu reflektieren. Das ist gerade wichtig für Unternehmen in Branchen, die sich in gravierenden Transformationsprozessen befinden.

Ein Beispiel hierfür ist die RWE AG, für die Deekeling Arndt Advisors die Initiative "Standort Zukunft" entwickelt und begleitet hat. Kernstück ist ein breit angelegtes Studienprojekt: Im Rahmen von zwei repräsentativen Umfragen in der Altersgruppe sowie qualitativen Workshops wurde untersucht, welche Erwartungen die Generation um die 30 an Gesellschaft, Politik und Wirtschaft hat und wie sie sich den Wirtschafts- und Industriestandort der Zukunft vorstellt.

Die Studienergebnisse wurden bei zwei Veranstaltungen im Winter 2014 vorgestellt. Neben NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und RWE-CEO Peter Terium kamen dabei vor allem junge Menschen aus Politik, Gewerkschaften und Wirtschaft zu Wort. Das interaktive Online-Portal www.standortzukunft.de führt den begonnen Dialog nun fort.

Das Projekt knüpft an den dialogischen Ansatz der 2012 erschienen Studie "Akzeptanz für Großprojekte" an.

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