Pragmatische Lösungen statt Ideologien

Interview mit Olaf Arndt

Die Studie "Standort Zukunft" spannt einen weiten Bogen von individuellen über gesellschaftliche bis hin zu volkswirtschaftlichen Themen. Wie kam der inhaltliche Fokus zustande?

Ziel war es, über zentrale Fragen, die den Wirtschafts- und Industriestandort der Zukunft betreffen, zu diskutieren und dabei deutlich zu machen, dass all diese Fragestellungen zusammengehören. Denn häufig werden wichtige Debatten aus einem bestimmten Blickwinkel geführt, so dass viele Aspekte unter den Tisch fallen. Das Ergebnis ist ein verzerrtes Bild der Realität.

 

Das klingt sehr abstrakt. Gibt es hierfür ein Beispiel?

Beobachtet man gesellschaftlich-mediale Diskussionen zu industriepolitischen Themen, kann der Eindruck entstehen, dass die Industrie out ist und gerade junge Menschen nur in supermodernen Rechenzentren oder Startups arbeiten möchten. Oder dass Materielles nicht mehr wichtig ist und stattdessen achtsamer Konsum und Nachhaltigkeit gefragt sind.

 

Und das ist nicht zutreffend?

Für einen Teil der Gesellschaft mag das stimmen. Entscheidend ist jedoch, ob das nicht nur ein Bruchteil ist und das Gros ganz anders denkt.

 

Und daher die Studie "Standort Zukunft"?

Genau. Die Studie greift relevante Fragen auf: Wie tickt die Generation um die 30 wirklich? Stimmt die These vom Postmaterialismus und dass es jungen Menschen nur um Spaß und Selbstverwirklichung geht?

 

Und wie ist die Generation?

Es handelt sich um eine zupackende Generation, der Wirtschaftswachstum und ein hoher Lebensstandard wichtig sind. Eine Generation, die durchaus wertkonservativ ist und darauf setzt, dass Deutschland auch weiterhin einen starken industriellen Kern behält. Und eine Generation, die nichts von ideologischen Grundsatzfragen hält.

 

Was bedeutet das für Politik und Wirtschaft?

Junge Menschen erwarten, dass wichtige Entscheidungen sachlich und nachvollziehbar getroffen werden und unterschiedliche Interessen ausgewogen berücksichtigt werden. Vor allem ist es ihnen auch ein Anliegen, dass heute existierende Probleme nicht auf kommende Generationen abgewälzt werden.  

Und da die Generation um die 30 ja zum Beispiel auch die Energiewende in den nächsten Jahrzehnten begleitet und auch die Kosten stemmen muss, sollten Politik und Wirtschaft deren Meinung ernst nehmen.