Debate & Dinner: Die Zukunft Europas

Am 3. November richtete Deekeling Arndt Advisors gemeinsam mit AMO in Frankfurt a. M. eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Die Zukunft Europas" aus. Mehr als 80 Teilnehmer, darunter Repräsentanten von Banken, Finanzinstitutionen und Rechtsanwaltskanzleien sowie AMO-Mitglieder aus aller Welt, diskutierten über den aktuellen Zustand Europas, die Europäische Union und mögliche Folgen des Brexit.

Der Abend begann mit einer Begrüßung der Gäste und Redner durch Egbert Deekeling, Senior Partner bei Deekeling Arndt Advisors. Danach hob Volker Heck, ebenfalls Senior Partner bei Deekeling Arndt Advisors und Moderator der Abendveranstaltung, hervor, dass die Brexit-Entscheidung die europäische Idee in Frage stelle und dass es in Bezug auf die Umsetzung des Austritts mehr offene Fragen als Antworten gebe. Drei Redner gaben in kurzen Impulsvorträgen wertvolle Einblicke und verdeutlichten, was der Austritt Großbritanniens aus der EU für Industrieunternehmen, Banken und die Wirtschaft allgemein bedeutet.

Redner:

  • Prof. Dr. Stephan Reimelt, Präsident und CEO von GE Germany & Austria
  • Alexander Doll, CEO von Barclays Germany
  • Matthias Diermeier, Persönlicher Referent des Direktors des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln

Moderator:

  • Volker Heck, Senior Partner bei Deekeling Arndt Advisors

Der erste Redner war Prof. Dr. Stephan Reimelt, Präsident und CEO von GE Germany & Austria. Er erklärte, dass sich Europa einer neuen Realität mit hochvolatilen Märkten und langsamem Wachstum stellen müsse. GE, eines der weltweit größten Industrieunternehmen, sei wenig bis gar nicht vom bevorstehenden Brexit betroffen. Das sei das Ergebnis eines sehr regionalen Geschäftsverständnisses, was für ein globales Unternehmen durchaus anspruchsvoll sein könne. Wichtig hierbei sei, die eigene Denkweise an die lokalen Gegebenheiten anzupassen und entsprechend zu handeln, um Geschäfte auf- und auszubauen. Als Beispiel führte er den deutschen Energiesektor an: In der Vergangenheit hatte Reimelt vier Klienten – die großen Player. Heute habe er 1.200 Kunden: die Stadtwerke. Für Reimelt ist der Brexit eine Herausforderung und das sei keine Frage einer weichen oder harten "Landung". Beide, EU und Großbritannien, müssten, um unsere Gesellschaft zu schützen, ihre Hausaufgaben machen und das Wachstum wieder auf zwei bis drei Prozent bringen. Reimelt sieht zwei hochrelevante Aspekte für Europas künftigen Erfolg: Diversität, über die Europa verfüge, die sie aber besser nutzen müsse, und Bildung. Abschließend riet er Europa trotz unsicherer Zukunftsaussichten zu mehr Optimismus. Er empfahl allen, sich die positiven Errungenschaften Europas der letzten 60 Jahren stets vor Augen zu führen. Schließlich unterstrich er die Wichtigkeit von Führungsstärke, um ökonomische und politische Ziele zu erreichen.

Als Nächstes sprach Angus Maitland, Vorstandsvorsitzender von Maitland und Mitbegründer von AMO: Er stellte kurz das AMO-Netzwerk vor und bekräftigte die Entschlossenheit von AMO, das Geschäft in Frankfurt auszubauen.

Der zweite Redner des Abends, Alexander Doll, CEO von Barclays Germany und Mitglied der Banken-Taskforce, die sich mit dem Brexit beschäftigt, teilte die Ansicht der Banken hinsichtlich dieser Thematik. Seiner Meinung nach werden die Auswirkungen des Brexit weit überschätzt. In erster Linie sei es für die Banken ein Ansporn, sich wieder mehr auf ihre Kunden zu konzentrieren und das Bankgeschäft neu zu ordnen. Laut Doll ist eine Zentralisierung gut für den Bankensektor, weil dies Handelsaktivitäten und Liquidität fördere. Derzeit würden 60 Prozent des europäischen Handels von London aus geführt. Wegen der Brexit-Entscheidung könne sich dies künftig ändern, da zurzeit nicht vorhersehbar sei, wie viele Banker auf den Kontinent wechseln werden.

Diese Unsicherheit bilde sich bereits auf dem Markt ab: Transnationale M&A-Aktivitäten würden verlangsamt und viele asiatische Unternehmen, die bislang London als Eintritt auf den europäischen Markt nutzten, seien mit Investitionen derzeit zurückhaltend. Letztendlich gebe es keine generelle Empfehlung, wie Banken mit dem Brexit umgehen sollten. Vielmehr müsse jede Bank für sich entscheiden, wie sie abhängig von den Bedürfnissen ihrer Kunden mit der Situation umgeht.

Die letzte Rede des Abends hielt Matthias Diermeier, Persönlicher Referent des Direktors des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln, Prof. Dr. Michael Hüther. Er präsentierte Ergebnisse einer Untersuchung, die sich mit möglichen Auswirkungen des bevorstehenden Brexit beschäftigt: zum Beispiel mit den Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien hinsichtlich des freien Marktzugangs, Beitragszahlungen an den EU-Haushalt und der Freizügigkeit für Bürger zwischen der EU und Großbritannien. Die Ökonomen spielten unterschiedliche Verhandlungsstrategien beider Seiten durch – harte wie weiche – und entwarfen vier mögliche Szenarien. Aus ökonomischer Sicht sollte die EU eine harte Verhandlungsstrategie wählen, so Diermeier, die Großbritannien nicht erlaubt, die Freizügigkeit für europäische Arbeitnehmer einzuschränken, da dies ein zentrales Element des EU-Binnenmarktes sei. Wenn Großbritannien auch hart verhandelt, würde dies den vollständigen Verlust des britischen Zugangs zum europäischen Markt bedeuten. Das hieße wiederum, dass Großbritannien mit jedem EU-Land individuelle Handelsverträge verhandeln müsste. Das "Worst Case Scenario" wäre eine harte Verhandlungsstrategie Großbritanniens und eine weiche seitens der EU, da dies wahrscheinlich zu weiteren Ausnahmenregelungen für andere EU-Mitglieder führen würde und zu einem möglichen Zusammenbruch des europäischen Systems.

Den Impulsvorträgen folgte eine lebendige Diskussion. Sehr kontrovers wurden Themen wie Immigration, Freizügigkeit und Reisefreiheit zwischen UK und der EU diskutiert, was einmal mehr die Brisanz der gesamten The matik verdeutlicht.

 

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Lesen Sie hierzu auch die Pressemitteilung.

Am 3. November trafen sich zudem Vertreter der deutschen Finanzpresse und des AMO-Netzwerks zu einem Pressefrühstück, mehr dazu finden Sie hier.

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