Im Dialog mit Florian Pronold:

"Wie wichtig ist urbanes Grün für die Zukunft der Städte?"

Am 3. April 2014 diskutierten Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Dr. Hanno Rauterberg, Journalist und Autor, Prof. Alexander Rudolphi, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, sowie August Forster, Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL) das Thema "Soziale Stadt, grüne Stadt − Perspektiven einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung". Moderiert
wurde die Veranstaltung von Martin Schmuck, Publizist.

Kurze Wege, ein aufgeschlossenes Klima und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf − aus Sicht von Dr. Hanno Rauterberg gibt es viele gute Gründe, warum die Stadt als Lebensort wieder zunehmend gefragt ist. "Mit der Reurbanisierung wachsen jedoch auch die Bedürfnisse der Bürger unter ökologischen und sozialen Aspekten", so der ZEIT-Redakteur weiter. Für Florian Pronold (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumwelt- und -bauministerium, ist die Aufstockung der Städtebauförderung von 455 Millionen Euro (2013) auf jetzt 700 Millionen Euro eine wesentliche Voraussetzung für eine gelungene Entwicklung unserer Städte. Zumal jeder durch die Regierung bereitgestellte Euro zusätzlich sechs bis acht Euro an externen Investitionen auslöse − insgesamt also rund drei Milliarden Euro. Dabei führe die Frage, welche Maßnahmen gefördert werden sollten, naturgemäß zu Zielkonflikten. "Mehr Grün in den Städten ist wichtig und gewollt", machte Pronold klar: "Die Stadtbürger müssen Natur in unmittelbarer Nähe erleben können." Gleichzeitig gelte es unter anderem sicherzustellen, dass städtischer Wohnraum bezahlbar bleibe. Trotz drängender Herausforderungen, unter anderem im sozialen oder im Bildungsbereich, biete sich damit die Chance, in den Kommunen mehr Grünprojekte zu realisieren. In der Städtebauförderung, vor allem im Programm "Soziale Stadt", sieht Pronold daher ein gutes Instrument, um soziale und grüne Stadtentwicklung zusammenzuführen.

Urbanes Grün gegen die Folgen des Klimawandels

August Forster, Präsident des BGL, wies auf die von seinem Verband initiierte Charta "Zukunft Stadt und Grün" hin. Die Charta stelle das hohe Lösungspotenzial von urbanem Grün in den wichtigsten Handlungsfeldern einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung heraus − von der Gesundheitsförderung über die Sicherung sozialer Funktionen bis zum Erhalt der Artenvielfalt. "Wenn Lösungen für die nachhaltige Stadt der Zukunft gefragt sind, denkt man heute noch viel zu selten an natürliches Grün in Form von Bäumen und Pflanzen", kritisierte Forster. Der Klimawandel sei insbesondere in unseren Städten bereits massiv spürbar. Um die Folgen von Extremwettersituationen wie Hitze oder Starkregen abzumildern, werde urbanes Grün weithin unterschätzt, so Forster. 

Aus weichen Argumenten harte Standortfaktoren machen

Professor Alexander Rudolphi, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, nahm das Argument des BGL-Präsidenten auf und forderte, das Augenmerk auf die Messbarkeit und Effizienz von Stadtentwicklungsmaßnahmen zu richten. "Nachhaltigkeit bedeutet Ganzheitlichkeit, Zyklusorientierung und Bilanzbewertung", erklärte Rudolphi. "Wie wirkt sich eine Maßnahme auf das Klima, die Umwelt und die Lebensqualität aus? Diese Fragen werden von den Städten und Kommunen weder hinreichend gestellt noch konkret beantwortet, einfach weil es an Bewertungsgrundlagen fehlt." So werde Grün schnell zum „Wohlfühlargument“ und könne gegen die harten Fakten der Technologie nicht bestehen. Hanno Rauterberg schloss sich dieser Argumentation an: "Effizienz ist essentiell. Gerade Kommunen, denen nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, brauchen klare Bewertungs- und Entscheidungskriterien, um die Weichen für mehr Nachhaltigkeit richtig zu stellen." Dann könnten aus weichen schnell harte und belegbare Argumente für einen Standort werden.

Experten-Know-how für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung

Florian Pronold betonte in diesem Zusammenhang erneut die aus seiner Sicht wichtige Rolle der Bürger in der Stadt- und Quartiersentwicklung sowie für die Akzeptanz zu treffender Entscheidungen. Hanno Rauterberg verwies in diesem Zusammenhang auf positive Impulse "von unten", zum Beispiel durch Urban-Farming- und Urban-Gardening-Initiativen: "Detroit ist durch das Engagement von Bürgergruppen zu einer ´Green City´ geworden − und das, obwohl die Stadt pleite ist." Auch August Forster zeigte sich offen für das Engagement interessierter Bürger für mehr Grün in den Städten und Kommunen. Der BGL-Präsident verwies jedoch auf die Notwendigkeit von fachlichem Know-how in der Planung und Betreuung von Grünflächen. Nur so könne man den großen Herausforderungen des Klimawandels in den Städten wirksam begegnen.

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