Im Dialog mit Uwe Beckmeyer:

"Wohin führen die aktuellen politischen Weichenstellungen für die Windenergie?"

Am 21. Mai 2014 diskutierten Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und maritimer Beauftragter der Bundesregierung, und Marcus A. Wassenberg, Finanzvorstand (CFO) der Senvion SE (bis Jan. 2014: RE Power Systems SE), die Zukunft der Windenergie. Moderiert wurde die Veranstaltung von Anna von Bayern, Journalistin.

Die EEG-Reform: Sind die Weichen jetzt richtig gestellt?

"Wohin sonst?", lautete die Antwort von Uwe Beckmeyer auf die Frage, ob die Reform des EEGs auf einem guten Wege sei. Er fasste kurz den aktuellen Stand des Gesetzgebungsverfahrens zusammen und betonte bei dieser Gelegenheit auch, dass er davon ausgehe, dass der momentan diskutierte Stand auch angesichts der über 100 Änderungsanträge, die die Länder in den Bundesrat eingebracht haben, Bestand haben werde. Auch Marcus Wassenberg gab eine positive Einschätzung ab. Nach einer Zeit der Unsicherheit und des Stillstands sei man jetzt mit dem Gesetz auf einem guten Weg. Er wies darauf hin, dass ein Land, welches einen Anteil Erneuerbarer an der Stromversorgung von 80-100% im Jahr 2050 anstrebe, weder auf Onshore-Windkraft noch auf Offshore-Windkraft verzichten könne. Genau aus diesem Grund sei es wichtig, keinen Keil zwischen beide Formen der Windenergie zu treiben.

Uwe Beckmeyer betonte, dass die Bundesregierung bei der Reform des EEG eine komplexe Gemengelage zu beachten gehabt habe. Unter dem Strich gehe es der Bundesregierung darum, die Belastung von 24 Milliarden Euro, mit denen die Erneuerbaren gefördert werden, so zu verteilen, dass keine Gruppe über Gebühr darunter leide. Dazu komme, dass das EEG sehr eng mit der EU-Kommission abgestimmt sei. Marcus Wassenberg wandte in diesem Zusammenhang ein, dass ein großer Transformationsprozess wie die Energiewende nicht auf eine Kostendebatte reduziert werden dürfe. Die Energiekosten machten in Haushalten und Industrieunternehmen durchschnittlich gerade einmal 2-3% des verfügbaren Nettoeinkommens bzw. der Bruttowertschöpfung aus. Dem stünden positive volkswirtschaftliche Effekte in Milliardenhöhe gegenüber.

Rolle der Windenergie bei der Stromversorgung Deutschlands

Beide Debattenteilnehmer waren sich darin einig, dass die Windkraft in Zukunft zu den tragenden Säulen der Energieversorgung gehören werde. So konstatierte Uwe Beckmeyer, dass insbesondere die Offshore-Windkraft eine fast grundlastfähige Energieversorgung ermögliche und damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leiste. Die Verlängerung des Stauchungsmodells bis Ende 2019 werde honoriert und Investoren fassten wieder Vertrauen. Es gehe jetzt auch darum, die 6,5 Gigawatt an installierter Kapazität bis 2020 tatsächlich zu erreichen. Notfalls müsste es möglich sein, erteilte Netzanschlussgenehmigungen wieder entziehen zu können, sollte der Anschluss nicht genutzt werden. Marcus Wassenberg stimmte dem zu, wies aber ferner darauf hin, dass insbesondere die geplante Einführung von Ausschreibungsmodellen ab 2017 für Verunsicherung sorge. Die ältesten Windkraftanlagen an Land seien gerade erst den Kinderschuhen entwachsen, der erste Offshore-Windpark Alpha Ventus sei vor vier bis fünf Jahren ans Netz gegangen. Mit Verweis auf Öl, Gas oder die Kernenergie müsse zudem gesehen werden, dass andere Energieträger wesentlich mehr Zeit erhalten hätten, um sich am Markt zu etablieren.

Die Windenergie sei der Wettbewerbsfähigkeit bereits ein großes Stück näher gekommen und habe große Kostensenkungspotentiale realisiert. Diese seien auch in Zukunft zu erwarten, erläuterte Wassenberg, und verwies auf eine Prognos-Studie, die für die nächsten zehn Jahre erhebliche Kostensenkungspotentiale vorhersehe. Allein der neueste Prototyp einer Offshore-Windkraftanlage des Unternehmens weise im Vergleich zu den Vorgängermodellen eine um 20 Prozent erhöhte Effizienz auf. Weitere Skaleneffekte seien zu erwarten, dafür müsse der Offshore-Ausbau jedoch eine entsprechende Größenordnung erreichen. Auch über die aktuelle und in Zukunft bevorstehende EEG-Reformen hinaus warb er für einen längerfristig stabilen Planungshorizont mit Investitionssicherheit für die Windkraft. Auch Uwe Beckmeyer bestätigte der Windbranche, große Erfolge erzielt zu haben. Eine Energieerzeugungsform, die zukünftig bis zu 50 Prozent der Stromversorgung übernehmen solle, müsse zwingend Verantwortung am Markt übernehmen. Die jetzt gefassten Beschlüsse garantierten aber zunächst einmal einen umfassenden Vertrauensschutz.